Die Kunst der stilvollen Absage
Die Spitzenkandidatur der SPD ist offenbar kein allzu beliebter Posten. Nicht umsonst kassierte die Partei in den vergangenen Tagen eine Abfuhr nach der anderen. Mit der Kunst der formvollendeten Absage ist es bei den Sozialdemokraten allerdings nicht weit her, wie die Etiketteberaterin Eva Ruppert bemängelt. Schließlich fertigte der frühere Bürgermeister Henning Voscherau seine Genossen nach tagelangem Schweigen mit ein paar dürren Zeilen ab. Und Fraktionschef Michael Neumann schlug das Jobangebot gestern früh sogar kurzerhand per SMS aus. Nicht eben stilsicher, lautet das Verdikt der Benimmexpertin, die bundesweit Führungskräfte ausbildet. "Diese Form der Absage zeigt den fehlenden Respekt gegenüber demjenigen, der das Angebot macht oder der Aufgabe selbst."
Generell sollte die Ablehnung stets die gleiche Form wahren wie die Anfrage, empfiehlt Ruppert. "Eine Mail geht allerdings gar nicht, ein Brief sollte es schon mindestens sein – am besten ist aber ein persönliches Gespräch." Empfehlenswert sei, sich in der Absage erst einmal für das Angebot zu bedanken, schon weil damit die eigene Kompetenz gewürdigt werde. Ein Hinweis, den weder Voscherau noch Neumann beherzigten. Für künftige Kandidaten, die einen Spitzenjob in der Hamburger SPD angeboten bekommen, hat die Etiketteberaterin einen Ratschlag parat, der sie verblüffen mag: "Ich würde grundsätzlich den ehrlichen Grund für die Absage angeben", empfiehlt Ruppert. "Ehrlichkeit und Sachlichkeit kommen wesentlich besser an als Ausreden – diese wirken nicht souverän, sondern hilflos."
inga
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