Wirbelwind 4/06 Modeberatung

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Frau Ruppert, in den QIÉRO!-Seminaren haben Sie mittlerweile schon enorm vielen Frauen in Sachen „gutes Aussehen“ weitergeholfen. Welche Probleme stehen dabei im Mittelpunkt?

Eva Ruppert: Mittelpunkt ist ein gutes Stichwort, denn tatsächlich sehen die meisten Frauen ihre Problemzone um die Körpermitte, d. h. an Bauch, Hüften und Po.

Was können Frauen tun, die nicht abnehmen wollen, trotzdem aber schlanker wirken möchten?

Eva Ruppert: Wir wissen, wie die Wahrnehmung über das Auge abläuft. Dieses Wissen können wir uns zunutze machen. Ein Prinzip lautet: Dunkle Farben machen optisch schlank. Es muss nicht  schwarz sein, auch andere dunkle Farbtöne haben diese Wirkung. Meine Erfahrung zeigt, dass man, unter Einsatz der verschiedenen Prinzipien, so auf ein bis zwei Konfektionsgrößen weniger geschätzt wird und bis zu fünf Kilogramm optisch wegmogeln kann. Diesen Effekt kann man gezielt für die Problemzonen nutzen: Ein zu runder Po profitiert von einer dunklen Hose oder ein zu üppiger Busen oder ein kleines Bäuchlein von einem dunklen Oberteil.

Gilt der Spruch „Längsstreifen machen schlank“ eigentlich noch?

Eva Ruppert: Pauschal nicht, jedes Muster lässt im Vergleich zu Uni-Farben fülliger erscheinen. Das ist ein weiteres wichtiges Prinzip.

Wer ein paar Kilos zu viel hat, möchte sich aber nicht nur einfarbig dunkel kleiden. Das ist den meisten Frauen doch etwas langweilig.

Eva Ruppert: Das soll auch nicht sein. Die Kleidung muss einem auf jeden Fall gefallen. Ein guter Tipp ist es, „eine lange Strecke zu kreieren“, die buchstäblich streckt: Wer insgesamt etwas fülliger ist, wirkt mit Ober- und Unterteil Ton in Ton länger und somit schmaler. Eine offene bunte Jacke darüber macht das Outfit dennoch interessant. Dieser Streckeffekt ist beispielsweise auch dann zu bemerken, wenn farblich zur Hose passende Schuhe getragen werden. Die Beine wirken so länger.

Wir haben jetzt vor allem über die Wirkung von Farben und Mustern gesprochen. Was ist beim Schnitt der Kleidung beachten?

Eva Ruppert: Weite Schnitte betonen die Breite und machen optisch kleiner. Das hilft, wenn lange dünne Beine oder Arme kaschiert werden sollen. Wer sich eher zu breit fühlt, sollte dagegen die Fläche, die man als Ansicht bietet, verschmälern.

Das hört sich kompliziert an und hat man denn die passende Kleidung dafür im Schrank?

Eva Ruppert: „Das ist nicht kompliziert und klappt mit ganz normalen Kleidungsstücken und Accessoires. Die schon erwähnte offene Jacke über dem einfarbigen Shirt ist ein Beispiel dafür. Das Gegenüber nimmt mehrere längs verlaufende Flächen wahr, die schmaler wirken als eine einheitliche und somit größere Fläche. Daneben kann schon die Knopfreihe einer Bluse als eine Art Teiler betrachtet werden, eine Hose mit einer Bügelfalte oder mit Biesen, ein Rock mit einer Mittelnaht vorne oder ein Reißverschluss an der Vorderseite. Auch eine längere Kette oder ein locker hängender Schal können nicht nur hübsch aussehen, sondern ebenfalls die Fläche am Oberkörper für das Auge gliedern. Das alles gilt natürlich auch im Umkehrschluss, zum Beispiel für dünne Frauen, die optisch zulegen wollen.

Haken wir die Problemzonen jetzt mal ab. Wie rücke ich meine Pluspunkte ins rechte Licht?

Eva Ruppert: Hier gelten die gleichen Regeln der optischen Wahrnehmung. Und eines geht nicht ohne das andere: Wenn wir das Auge unseres Gegenübers von Problemzonen ablenken, wollen wir es zu unseren Pluspunkten hinleiten.

Und wie erreiche ich das?

Eva Ruppert: Das Auge wird von Mustern und Kontrasten angezogen. Auch Schmuck und andere Accessoires können die Blicke im wahrsten Sinne des Wortes auf sich ziehen. Wer über zu üppige Hüften klagt, sollte also nicht gerade dort für einen Farbkontrast zwischen Ober- und Unterteil der Bekleidung sorgen, sondern zum Beispiel mit einer Kette oder einer Brosche für einen Blickfang weiter oben sorgen. Allgemein sollte aber auch der Gesamteindruck stimmen. Weil das Auge vergleichend wahrnimmt, wirkt beispielsweise großformatiger Schmuck an einer zierlichen Frau deplatziert und umgekehrt ebenso. Die Proportionen müssen auch hier stimmen!

Jetzt weiß ich, wie ich mich gut kleiden könnte. Aber der Inhalt des Kleiderschrankes passt nicht zur Theorie. Wie sieht die Alternative zu vollen Schränken voller „Ich habe nichts zum Anziehen“-Kleidung aus?

Eva Ruppert: Für spezielle Anlässe, für die auch gepflegte Freizeitkleidung nicht passend ist, sollte man meiner Meinung nach auf jeden Fall eine passende Kombination in dezenten, gedeckteren Farben im Schrank haben. Darüber hinaus lohnt es sich, in einer stillen Stunde den Inhalt des Kleiderschrankes komplett auszuräumen und kritisch unter die Lupe zu nehmen. Bei allen Teilen, die man länger nicht getragen hat, sollte man überlegen, ob man sie aussortiert oder ob einfach nur ein passender Kombipartner fehlt. Davon kann man eine Liste erstellen und beim Shoppen seinen „Suchscheinwerfer“ gezielt auf solche Stücke richten. Beim Einkaufen sollte man außerdem immer an das komplette Outfit denken, also wissen, was man zum Beispiel zu einem neuen Oberteil tragen will.

Vielen Dank, Frau Ruppert

Eva Ruppert: Gern, ich wünsche Ihren Kundinnen viel Erfolg beim Einkauf.

(Interview für das Familienmagazin von Jako-o, 4/06)
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