Stilberatung fürs Vorstellungsgespräch
Was ziehe ich bloß an?

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Das Outfit sollte zur Branche und zur eigenen Persönlichkeit passen
Der erste Eindruck hat keine zweite Chance, lautet das Credo von Eva Ruppert. Sie ist Trainerin für souveränes Auftreten im gesellschaftlichen und geschäftlichen Leben: Körpersprache, Mimik und Gestik, Etikette und Kleidung. In Seminaren und Vorträgen hilft sie auch jungen Leuten, das passende Outfit für ihr Bewerbungsgespräch auszuwählen. Klar, dass die meisten Arbeitgeber einen Bewerber mit lila gefärbten Haaren und Fusseln auf dem Jackett ablehnen. Aber wodurch sammelt man Pluspunkte? Fünf Fragen an die Trainerin.
 
SZ: Worauf soll ein Bewerber zuerst achten, wenn er die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen hat?
Ruppert: Wenn er sich die Kleidung für den Termin aussucht, sollte er sich wirklich wohl darin fühlen, sonst kann er den Personalchef nicht überzeugen. Der Bewerber darf sich nicht verkleidet vorkommen. Auch sollte das Outfit zur Branche passen. Im Fall von Banken oder Versicherungen kommt es besonders auf ein seriöses Auftreten an. Die Kandidaten erscheinen am besten in dezenten bis dunklen Farben. Jede Branche hat ihren Dresscode, so sieht man Architekten häufig mit schwarzen Edeljeans, Rollkragenpulli und Jackett. Kreative, zum Beispiel Werbegrafiker, können auch mal mit einem farbigen Hemd einen Akzent setzen und so ihre Individualität herausstreichen. Aber Vorsicht: Das Hemd darf nicht zu grell wirken und auch nicht zu stark gemustert sein, das lenkt ab und stört die Konzentrationsfähigkeit des Gesprächspartners.
 
SZ: Es könnte einem Unternehmen doch genügen, wenn ein gepflegter und ordentlich gekleideter Kandidat vorspricht. Es ist doch oberflächlich, das Outfit so hoch zu bewerten.
Ruppert: Heute haben Menschen insgesamt mehr Bewusstsein für Kleidung. Es ist wichtig, sich präsentieren zu können. Aus Unternehmen bekomme ich immer wieder zu hören, dass sie sich Bewerber wünschen, die so aussehen, als würden sie bereits dort arbeiten. Deshalb mein Tipp: Die Bewerber sollten sich vor dem Gespräch genau über den Kleidungsstil der Firma informieren.
 
SZ: Zu einem Outfit, das „sitzt“, gehören verschiedene Details, wie Schuhe, Strümpfe, Schmuck und Tasche. Welche Regeln sind dabei zu beachten?
Ruppert: Auf keinen Fall zu viele einzelne Teile. Ein schickes Schmuckstück zu einem unifarbenen Kostüm genügt. Viele Regeln muss man auch von Fall zu Fall betrachten. So kann der Absatz bei Frauen auch mal höher als fünf Zentimeter sein, wenn sie eher klein ist und gut in hohen Schuhen laufen kann. Für die Rocklänge gilt: Nicht kürzer als eine Handbreit über dem Knie. Seidenstrümpfe sollen eine farbliche Brücke zwischen der Oberbekleidungen und den Schuhen bilden, also dunkelblaue Strümpfe zum dunkelblauen Rock. Allerdings sollten sie transparent sein. Braune Männerschuhe für Vorstellungsgespräche waren ursprünglich tabu, aber inzwischen gibt es ja elegante braunlederne Schuhe aus Italien. Ich würde hier allerdings einen glatt lederner Schnürschuh in einem dunkleren Braun empfehlen. Aber auf keinen Fall gemusterte Socken dazu.
 
SZ: Was ist außerdem bei Bewerbungsgesprächen tabu?
Ruppert: Hellgraue Socken zu einer dunklen Hose – und Kurzsocken: Denn bei Männern sollte kein nacktes Bein hervorschauen, wenn etwa das Hosenbein beim Hinsetzen hochrutscht. Aber da gibt es schon noch mehr, gerade bei der Dame. Strick-Wear ist nicht sehr günstig, auch wenn eine Mitarbeiterin in der Verwaltung, die keinen Kundenkontakt hat, schon mal ein schickes Twin- Set tragen kann. Die Bewerberin darf schon fraulich rüberkommen, aber schrille Farben sollte sie vermeiden, auch knallroten Nagellack. Sie sollte auch nicht mit einer Mähne zu dem Termin kommen, selbst wenn Locken nun wieder modern werden. Ich finde sowohl bei Frauen als auch bei Männern grundsätzlich ein natürliches Erscheinungsbild wichtig.
 
SZ: Wie kann ein Bewerber die psychologische Wirkung von Farben nutzen?
Ruppert: Das menschliche Auge nimmt immer Farbblöcke wahr: Deshalb ist es sehr unvorteilhaft für die Figur, wenn zum Beispiel im Bereich des Knöchels ein farblicher Kontrast sichtbar wird – das irritiert und lässt die Beine kürzer erscheinen. Helle Farben erscheinen weit, dunkle Farben wirken eng – diesen Effekt können Sie einsetzen, um Schwächen der Figur zu kaschieren. Alle Farben haben eine Doppel-Wirkung: So steht zum Beispiel Gelb für Fröhlichkeit und Aktivität, andererseits hat es auch einen Touch von Flatterhaftigkeit. Dunkelblau meint Kompetenz und Zuverlässigkeit, die Farbe kann aber auch langweilig und zu konservativ wirken. Das hängt jedoch vom Anlass ab. Weiss kann Klarheit vermitteln, unter Umständen aber auch zu nüchtern und neutral erscheinen. Schwarz wirkt raffiniert, aber auch sehr reserviert. Deshalb rate ich von der Farbe Schwarz bei Vorstellungsgesprächen ab.
 
Interview von Stephanie Schmidt
(Süddeutsche Zeitung Nr. 40, 18.02.2004)
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