Gute Umgangsformen sind eigentlich
gar nicht so schwer. Natürlich, höflich und respektvoll
sein
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| Die Coburger Image-Beraterin
Eva Ruppert bringt NP-Leser auf den aktuellen Stand in Sachen Etikette |
| von Petra Bordasch |
| COBURG – Sie
helfen einer älteren Dame, die sich am Bahnsteig mit ihrem schweren
Koffer abmüht? Sie stehen auf und bieten ihren Platz im Bus einem älteren
Mann an? Sie helfen einer Bekannten in den Mantel und halten ihr die Tür
zum Restaurant auf? Sie tun das gerne, aber Sie kommen sich auch immer etwas
spießig dabei vor ein bisschen altmodisch, leicht verstaubt, so als
stammten Sie aus einer anderen Zeit? Das sollten Sie nicht. Gutes Benehmen
ist auch in unserer modernen Welt noch zeitgemäß. Es ist Ausdruck
von Höflichkeit, und die, sagt Eva Ruppert, "ist alles andere
als altmodisch." Gute Manieren sind für die Coburger Image-Beraterin
aktueller und gefragter denn je. |
| Wie Pilze schießen
sie aus dem Boden, die Stil- und Etikette-Seminare. Volkshochschulen bieten
entsprechende Kurse an und das Saarland will sogar Benimm-Unterricht wieder
in der Schule einführen. Seit einigen Jahren stellt auch Eva Ruppert ein enorm wachsendes Interesse an guten Umgangsformen fest. Vor allem Unternehmen
wenden sich an die 41-Jährige, um ihre Führungskräfte und
Mitarbeiter in Sachen Outfit, Image und Etikette schulen zu lassen. Eva
Ruppert kann das leicht nachvollziehen. "Wie hebe ich mich von der
Konkurrenz ab?" um diese zentrale Frage dreht sich alles in einer Zeit,
in der die Marktsituation immer härter und die Produkte immer ähnlicher
werden, sagt sie. Den Unterschied machen nicht nur Service oder ansprechende
Präsentationen den Unterschied machen vor allem kompetente und zuvorkommende
Mitarbeiter, die sich auf dem gesellschaftlichen Parkett sicher bewegen
können. Viele Banken, Sparkassen, Industrie- und Dienstleistungsunternehmen
haben dies schon erkannt und lassen ihre Angestellten von der Coburgerin
"stylen" und in Sachen Benimm auf den aktuellen Stand bringen.
Besonders gefragt: Antworten auf Fragen der Kleiderordnung und der Tischetikette. |
Knigge – kein Urvater steifer Etikette |
| Urahn aller Benimm-Lehrer
ist Adolf Freiherr von Knigge (1751 1796). Sein Werk "Über den
Umgang mit Menschen" war für Generationen das Handbuch für
gutes Benehmen. Eva Ruppert nimmt ihn heute noch zur Hand. Für sie
ist er alles andere als der "Urvater steifer Etikette". Sein Credo
Verhalte dich so, wie du möchtest, dass auch die Anderen mit dir umgehen
heißt für sie übersetzt: sei natürlich, ehrlich, höflich,
korrekt und respektvoll. |
| Gutes Benehmen hat
für die Image-Beraterin nichts damit zu tun, "den Knigge"
auswendig zu lernen. "Man muss es leben, sonst wirkt es aufgesetzt",
sagt sie. Knigge ist auch nicht eins zu eins zu übernehmen. Die Verhaltensregeln
das Wort Regel gefällt ihr gar nicht, sie spricht lieber von Empfehlungen
werden immer auch dem Zeitgeist angepasst. Eva Ruppert: "Gute Umgangsformen
sind immer eine Kreuzung aus alten Normen und modernen Werten". Sie
sind situativ bestimmt, "und deshalb müssen Sie auch stets neu
darüber nachdenken und entscheiden, wie Sie sich richtig verhalten."
Nicht die Gesten ändern sich, sie werden nur nach dem herrschenden
Zeitgeist neu interpretiert. "Moderne Umgangsformen sind kein Rückfall
in längst Vergangenes", sagt die 41-Jährige. Sie müssen
immer wieder den neuen gesellschaftlichen und geschäftlichen Werten
angepasst werden zum Beispiel der veränderten Rolle der Frau in der
Gesellschaft, der Diskriminierung von Rauchern oder dem starken modischen
Einfluss auf die offizielle Garderobe. |
| Von der grauen Theorie
zur Praxis: Was ist out, was in?" Der beim Trinken abgespreizte Finger
zum Beispiel ist überholt", lacht Eva Ruppert. Warum? Er ist unpraktisch,
sagt sie. Wer ein gut gefülltes Rotweinglas wie vorgeschrieben am schmalen
Stil anfasst und dazu nur vier Finger benutzen darf, weiß um die Schwierigkeiten
mit der Balance. |
| Darf man eine Kartoffel
wirklich nicht mit dem Messer zerschneiden? Doch, darf man schon, sagt die
Etikette-Expertin, aber wer eine Kartoffel zerschneidet, tut sich schwer,
mit der glatten Fläche Soße aufzunehmen. Mit der Gabel leicht
zerdrückt, klappt das viel besser. Knigge hilft auch nicht weiter,
wenn es um das "richtige" Essen von Spaghetti geht, die der Freiherr
noch gar nicht gekannt haben dürfte. Spaghetti, verrät Eva Ruppert,
werden am Tellerrand mit der, Gabel aufgerollt. Der Löffel bleibt liegen. |
| Dass das Saarland
Benimmregeln im Unterricht einführen will, begrüßt sie.
Viele Jugendliche, sagt sie, sind die meiste Zeit am Tag allein, weil ihre
Eltern arbeiten müssen. Sie haben niemanden, von dem sie sich gutes
Benehmen abschauen können. Was bewirkst du, wenn du unhöflich
bist? Sie mit dieser Frage zu konfrontieren, sei durchaus sinnvoll. |
| Gutes Benehmen, betont
Eva Ruppert immer wieder, steht und fällt mit der Höflichkeit
eines Menschen. Jemandem die Türe aufhalten, den Sitzplatz anbieten,
sich entschuldigen, wenn man jemanden angerempelt hat, nicht vordrängeln
im Alltag vermisst sie diese an sich "normale" Höflichkeit
bei den meisten Menschen. "Sie meinen das nicht einmal unhöflich",
nimmt sie ihre Mitmenschen in Schutz. Schuld sei der ständige Zeitdruck
in, dieser hektischen Welt, der das Bewusstsein für ein umsichtiges
Miteinander verkümmern lasse. |
| Sich diese verschüttete
Höflichkeit wieder bewusst zu machen nicht zuletzt darum geht es in
Benimm-Kursen. Und natürlich um ganz praktische Fragen: Wie esse ich
Salat richtig? Darf man sich bei Tisch die Lippen nachziehen? Wann ist eine
Krawatte Pflicht? (…) |
| (Neue Presse, 14.10.2003) |
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Eva Ruppert. Training & Coaching – 08.04.2003
http://www.eva-ruppert.de |