Wenn die falsche Krawatte zum Strick
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| So klappt es im Bewerbungs-
oder Businessgespräch Experten raten, denn: "Sie bekommen keine
zweite Chance für einen ersten Eindruck" |
| Von Markus Plawszewski |
| BAYREUTH. "Ihnen
bleiben rund 30 Sekunden. Vielleicht auch weniger." Eva Ruppert lehrt
souveränes Auftreten im modernen Geschäftsleben. In einem dreistündigen
Seminar an der Universität Bayreuth bereitet die Imageberaterin Studienabgänger
auf die optimale Selbstpräsentation vor. Damit bei Bewerbungsgesprächen
und im späteren Geschäftsleben alles glatt geht. |
| Glaubt man der Expertin
für Personal and Professional fallen in maximal 30 Sekunden die Würfel,
schlägt das Pendel zwischen Erfolg und Misserfolg auf die eine oder
andere Seite aus. Laut neuesten Studien aus Gedächtnispsychologie und
Kommunikationsforschung tragen Aussehen und Auftreten zu über 50 Prozent,
Stimmlage und Sprachmelodie zu knapp 40 Prozent zum ersten Eindruck bei.
Kompetenz und Fachwissen machen lediglich sieben Prozent aus. "In jedem
Detail Ihrer Garderobe steckt eine Botschaft. Es ist wichtig Kompetenz nach
außen hin sichtbar zu machen." Und dabei ist es nicht einfach
mit Anzug und Krawatte getan. Eva Ruppert hat das "Business-Outfit"
in den Stand der Wissenschaft erhoben. |
Jacke(tt) wie Hose |
| Bei offiziellen Auftritten
ist bei Männem Jackett angesagt. "Die klare Linie des Jacketts
hat etwas Formelles, Seriöses", erklärt die Imageberaterin.
Zudem richteten die aufgepolsterten Schultern auch den von 16 Stunden Büroarbeit
gekrümmten Rücken wieder auf. Zugleich wurde mit der "Legende
vom Knöpfen" aufgeräumt. So knöpfen Sie Ihren Einreiher
(Zweireiher sind out): Der untere Knopf bleibt immer offen, der mittlere
geschlossen. Stattdessen ist beim oberen Knopf Kreativität gefragt:
Abhängig von der Länge des Revers mal offen und mal zugeköpft. |
| Doch damit nicht
genug. Wann trage ich mein Jackett offen, wann muss es geschlossen sein?
Zu bleibt der edle Einteiler bei jeder Art von Begrüßung, da
werden auch bei sommerlichen Temperaturen oder dem Besuch bei der Filiale
in Kuala Lumpur keine Ausnahmen gemacht. Einzige Lösung: schnell zum
Smalltalk übergehen, denn dann darf aufgeknöpft werden. Die zweite
Möglichkeit: Warten Sie darauf, dass der "Ranghöhere"
sein Jackett ablegt. Ohne fragen zu müssen, dürfen auch Sie sich
freimachen. Wenn Sie bis dahin allerdings schon ins Schwitzen gekommen sind,
haben Sie Pech gehabt, dann bleibt der gute Stoff an. Alles in allem bringen
Sie damit Ihr kultiviertes Erscheinen zum Ausdruck. Für die Damen gilt,
ganz im Sinne der Gleichberechtigung dasselbe. |
"Untergraben
Sie nicht Ihr kompetentes Auftreten. Je mehr Haut Sie zeigen, desto verletzlicher
wirken Sie", warnt die Beraterin die Frauen. Unverhüllte Achselhöhlen
(rasiert und erst recht unrasiert) haben im Geschäftsleben nichts verloren.
Auch die Ausschnittsgröße des Dekolletees sollte eher konservativ
gewählt werden ab handbreit unter dem Schlüsselbein ist Stoff
statt Haut angesagt. Schließlich will man sich ganz auf das Geschäftliche
konzentrieren. Aber auch die Männerwelt ist vor dem Schaden nackter
Tatsachen nicht gefeit. Beim Übereinanderschlagen der Beine sollten
die Socken lang genug sein, um die behaarten Schienbeine zu bedecken. Merke:
Kurze Socken sind peinlich!
Die Krawatte. Grundsätzlich ist eine gute Geschäftskrawatte immer
aus Seide und etwa handbreit an ihrer breitesten Stelle. Je dunkler desto
eleganter. Streifenkaros sind wieder modern, Gag Motive haben nichts auf
dem edlen Stück verloren. Derlei Nachlässigkeiten können
Sie lächerlich machen und Ihre Karrierechancen im Nu strangulieren.
Da Krawattenknoten und Hemdkragen eng miteinander korrespondieren, müssen
beide aufeinander abgestimmt werden. Da kann man nicht einfach beliebig
Kragenformen, wie Kent klassich, Buttondown oder Tab elegant mit Turn down
oder Cutaway-Krawattenknoten kombinieren ... Noch Fragen? |
Von kalten Händen |
| Auch Grüßen
will gelernt sein. Blickkontakt signalisiert Aufmerksamkeit. Wenn Sie es
zu einem ehrlichen Lächeln bringen, haben Sie eine gewinnende Art.
Wildes Händeschütteln ist fehl am Platze. Zuerst wird festgestellt,
wer der Ranghöhere ist. Letzterem obliegt es, die Hand zum Gruße
zu reichen oder auch nicht. Tut er es nicht, tragen Sie es mit Fassung.
Kommen Sie sich nicht unwichtig vor und nicht vergessen: Immer schön
ehrlich lächeln, das macht Sie sympathisch. Halten Sie angemessenen
Abstand, wenn Sie sich mit Ihrem Gegenüber unterhalten. Gebührende
Distanzbereiche sind persönliche Komfortzonen. Die Begrüßung
per Handschlag zeigt Ihr persönliches Interesse. |
| Doch die gut gemeinte
Geste kann sich ins Gegenteil verkehren, wenn feuchte oder kalte Hände
dem Gegenüber unangenehm aufstoßen. Auch dafür hat Eva Ruppert die passenden Tricks parat: Ein Deoroller kann mehr als nur den Achseln
Segen spenden, auch schwitzende Handflächen bleiben trocken. Warmes
Wasser oder einige Kniebeugen auf der Toilette sorgen dagegen für wohlig
warme Hände und verhindern, dass der erste Eindruck unterkühlt
ausfällt. |
| Die richtige Körperhaltung
gibt souveränes Auftreten. Nehmen Sie Haltung an, stehen Sie aufrecht.
Herren präsentieren sich am besten mit leicht auseinander gestellten
Beinen (Pfui: Freistoßhaltung). Bei den Damen zeigt ein Fuß
nach vorne. Aber wohin mit den Händen? Sie können die Arme wechselweise
hängen lassen und verschränken. Eine Hand in der Hosentasche ist
kein Problem es sollte jedoch nicht zu lange sein. Beim Sitzen gilt ebenfalls:
aufrechte und entspannte Sitzposition einnehmen. Sie können die Beine
sowohl ein wenig auseinander stellen, als auch übereinanderschlagen.
Besonders schick für die Dame ist die Sophia-Loren-Haltung. Die Hände
auf ein Bein legen und die Beine parallel zueinander stellen. Als böses
Foul gewertet werden beim Sitzen: den Fuß auf das Knie legen und fast
"rotverdächtig" die Arme hinter dem Kopf zu verschränken,
was besonders an schwülen Sommertagen zu unschönen Szenen führen
kann. |
Kunst des Smalltalks |
| Nicht jeder hat das
Talent, beim ersten Zusammentreffen frisch, fromm, fröhlich, frei von
der Leber weg zu erzählen. Und dennoch sollten längere Gesprächspausen
vermieden werden. Unangenehmes Schweigen erzeugt eine angespannte Atmosphäre.
Um dem von Anfang an einen Riegel vorzuschieben, gibt es von Eva Ruppert noch ein paar Vorschläge für den möglichst ungezwungenen
Gesprächseinstieg. Nachdem Sie mit Fragen wie "Wie geht es Ihnen?
Wie war Ihre Anreise?" oder "Haben Sie das Hotel ohne Probleme
finden können?" Ihr Interesse am Gesprächspartner deutlich
gemacht und das Eis gebrochen haben, gehen sie zum Smalltalk über.
Themen, über die Sie sprechen dürfen sind: Kino, Theater, Konzerte,
Reisen, Sport und Hobby. Vermieden werden sollten Gespräche über
Politik, Religion, Betriebsinterna, Krankheiten und persönliche Probleine.
Also kommen Sie nicht auf die Idee, auf die Frage nach ihrer Befindlichkeit
von etwaig vorhandenen Krankheiten oder dem Ärger mit Ihrem Partner
zu erzählen. Das möchte nun wirklich niemand hören. |
| Denken Sie an all
das in den 30 Sekunden, die Sie für den ersten, den manchmal entscheidenden,
Eindruck Zeit haben. Vielleicht ist es danach den Gedanken wert, ob wir
wirklich alle gleich, gestylt und perfekt sein müssen. |
| (Nordbayerischer Kurier, 09.05.2003) |
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Eva Ruppert. Training & Coaching – 08.04.2003
http://www.eva-ruppert.de |