Zwischen Hochwasser und Ziehharmonika.
Eva Ruppert hat ein Buch über richtige Garderobe verfasst
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| von Brigitte Grosse |
| EBERSDORF/C. An die
ersten Auftritt Gerhard Schröders als Bundeskanzler kann sich Eva Ruppert aus Ebersdorf noch gut erinnern. Nicht wegen seiner Reden, sondern wegen
seiner Kleidung: Schröder pflegte damals nämlich Hemden mit großen
Haifisch-Kragen zu tragen, die Krawattenknoten waren dagegen winzig. Unmöglich
habe das ausgesehen, sagt Eva Ruppert. Sie muss es wissen, schließlich
ist sie Inhaberin des Instituts "Outfit und Image" in Coburg und
hat ein Buch zu diesem Thema geschrieben, das demnächst erscheinen
wird. Titel: "Your Personal Guide to Business Style souverän aussehen
und auftreten". |
| Ihrem geschulten
Auge entgeht kein Detail an der Kleidung ihres Gegenübers. Hat die
Anzugshose des Politikers die richtige Länge zwischen "Ziehharmonika"
und "Hochwasser"? Ist der unterste Schließknopf am Jackett
geöffnet, wie es der "Business-Stil" vorschreibt? Leuchten
die Schuhe, die die Geschäftsfrau trägt, in einer zu auffälligen
Farbe? |
| Manchmal, sagt gelernte
Visagistin, ernte sie in ihren Vorträgen und Seminaren, die sie für
Führungskräfte aus der Wirtschaft hält, schon skeptische
Blicke. Ob die richtige Länge der Jackettärmel heute wirklich
noch so wichtig sei, wird sie dann gefragt. Und: Viel mehr als das Äußere
zählten doch die inneren Werte. "Für den ersten Eindruck
bekommen Sie nie eine zweite Chance", kontert die 40-Jährige dann
und verweist auf Erkenntnisse aus Psychologie und Kommunikationswissenschaft:
dass jeder Mensch sein Gegenüber bei der ersten Begegnung instinktiv
begutachtet, dass sich dieser erste Eindruck innerhalb von sieben bis dreißig
Sekunden ins Gedächtnis einbrennt und dass dabei in erster Linie der
optische Eindruck zählt schließlich nimmt der Mensch Informationen
aus seinem Umfeld zu 55 Prozent visuell wahr. |
| Außerdem könne
man diese "Dress-Codes" auch ganz anders sehen, sagt Eva Ruppert,
nämlich als Hilfe, die den Einstieg in ein Gespräch leichter machen.
Die passende Kleidung sorge für die richtigen Signale. Was man am Äußeren
erkenne, müsse man nicht erst wortreich erklären. Ein dunkelblauer
Anzug strahle zum Beispiel Kompetenz, Zuverlässigkeit und Beständigkeit
aus, weiß die Imageberaterin. Genau das soll auch ihr eleganter dunkelblauer
Hosenanzug mit den feinen Nadelstreifen vermitteln. Die Strenge lockert
ein feiner zartrosa Rollkragenpullover auf, der den sportlichen Typ Eva
Rupperts unterstreicht. |
Was Ärmel verraten |
| Die falsche Garderobe
dagegen sei ein wahrer" Karriereblocker", sagt die Beraterin.
Männer haben es hier ein bisschen leichter, sie können sich einfach
an die zahlreichen Kleidungsregeln halten, die sich im Laufe der Jahrzehnte
und Jahrhunderte entwickelt haben. Die Hose soll zum Beispiel satt auf dem
Schuh aufliegen, so dass sie vorne eine leichte Falte wirft. Die Krawattenspitze
schließt mit dem Hosenbund ab, und am Jackettärmel soll noch
ein schmaler Streifen des Oberhemds hervorblitzen. Aber Vorsicht: "Es
gibt nichts Schlimmeres als zu kurze Ärmel, warnt Eva Ruppert. Das
mache einen unbeholfenen Eindruck. Zu lange Ärmel ließen den
Träger hingegen schüchtern wirken. |
| Frauen haben mehr
Freiheiten, was die Garderobe angeht. Da es weibliche Führungskräfte
noch gar nicht so lange gibt, haben sich für sie auch weniger Regeln
für ihre äußere Erscheinung herauskristallisiert. Röcke
dürfen zum Beispiel das Knie umspielen, aber auch Waden- oder Knöchellänge
ist in Ordnung. Bei Hosen gilt lediglich, dass die Knöchel bedeckt
sein müssen. Unter dem Kostüm oder dem Hosenanzug muss nicht unbedingt
eine Bluse hervorscheinen, auch Tops, Shirts und feine Strickpullover sind
erlaubt. |
| Dafür.drohen
den Geschäftsfrauen auch mehr Fettnäpfchen. Zu viel und zu auffälliger
Schmuck etwa, zu starkes Makeup, zu tiefe Ausschnitte oder Blusenkragen,
deren Linien nicht zu den Kragen der Jacke passen. "Generell gilt:
Es darf nichts Interessanteres geben als 'Gesicht und Augen", sagt
Eva Ruppert. |
Stöhnen über Strümpfe |
| Zurückhaltung
ist daher vor allem bei Röcken, Hosen und Schuhen angesagt. Strümpfe
sind Pflicht, auch im Sommer, was Eva Rupperts Kursteilnehmerinnen regelmäßig
ein Stöhnen entlockt. Dafür sollten sie auf besonders leichte
Stoffe bei Kostümen und Hosenanzügen achten, tröstet sie
die Beraterin dann. Doch egal wie heiß es in den Sommermonaten wird
niemals dürfe die Achselhöhle entblößt werden, rät
Eva Ruppert: "Das gilt als der privateste und intimste Bereich." |
Männer dürften
hingegen kaum vor diesem Problem stehen, für sie geht es höchstens
darum, wann sie ihr Jackett ablegen dürfen. Nicht, solange der Kunde
oder Geschäftspartner dies nicht auch von sich aus tut, weiß
die Beraterin.
Kanzler Schröder hat die Sache mit den Hemdkragen übrigens längst
korrigiert. Inzwischen trägt er meist eher gemäßigte Haifisch-Kragen
mit passenden Krawattenknoten. "Das haben ihm wahrscheinlich seine
Imageberater gesagt, lacht Eva Ruppert, "oder vielleicht war es auch
seine Frau." |
| Das 200-seitige Buch
"Your Personal Guide to Business Style" gibt es ab Anfang Januar
im Buchhandel. Schon ab Anfang Dezember ist es direkt bei Eva Ruppert erhältlich,
Telefon 09562/4200. |
| (Neue Presse) |
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Eva Ruppert. Training & Coaching – 08.04.2003
http://www.eva-ruppert.de |