Loser oder Gewinner: Wie optische Signale wirken

zurück
von Heidi Höhn
Der erste Eindruck zählt. Nur 30 Sekunden hat ein Mensch
Zeit, zu wirken, dann steckt er bereits in einer Schublade. Bevor man noch mit Worten und Fachkompetenz glänzen kann, haben optische Signale dem Chef, dem Geschäftspartner oder auch der Frau fürs Leben signalisiert, ob man Loser ist oder Gewinner. Wie Kleidung, Umgangsformen oder auch Farben wirken, das hat die Coburger Image Trainerin Eva Ruppert nun in einem Buch zusammengefasst.

COBURG - "Die inneren Werte eines Menschen sind die Entscheidenden und es ist schön, wenn das Gegenüber sie gleich erkennt", betont Eva Ruppert. Doch wie macht man Kompetenz, Seriösität, Sympathie und Dynamik auch äußerlich sichtbar? In ihrem Ratgeber "Das perfekte Business-Outfit" hat die Stilberaterin alle wichtigen Informationen zusammengetragen, die Berufstätigen helfen können, sich anlass- und typgerecht zu kleiden. Doch auch, wer sich nicht sicher ist, was er zu einem gesellschaftlichen Anlass wie beispielsweise einer Hochzeit oder einem Gala-Diner tragen soll, findet hier Anregungen.

Qualität der Stoffe und Materialien sowie Passformkriterien werden hier ebenso vorgestellt wie die Grundausstattung an Anzügen, Kostümen oder Kombinationen, die Mann und Frau im Kleiderschrank haben sollte. Ein kleiner Test hilft, den eigenen Stiltyp zu bestimmen, und auch die Wirkung bestimmter Farben wird dargestellt. Was alles zum Abrunden des Erscheinungsbildes nötig ist, von der Frisur bis zu den Schuhen, vom Seidentuch bis zum Schreibgerät, das verrät Eva Ruppert in einem weiteren Kapitel. Durch einen kleinen Trick mit dem Cover lässt sich ihr Buch von vorne und von hinten lesen und ist dadurch sowohl für Frauen als auch auf Männer zugeschnitten.
Männer sind nach Einschätzung der Beraterin weniger gern bereit, viel Zeit für das Ausfeilen ihrer Garderobe zu investieren. Sie wollen eine Lösung. Frauen dagegen setzen sich viel mit dem Thema Kleidung auseinander, wollen mehrere Lösungen und suchen dann experimentierend heraus, was zu ihnen passt. Eva Ruppert ist gefragte Beraterin bei Banken, Universitäten und bei den ganz großen Global Players der Industrie. Bei den zahlreichen Seminaren, die sie deutschlandweit anbietet, wurde sie immer wieder nach einem Buch zum Thema gefragt. So kam sie auf die Idee, selbst eines zu schreiben. Dass viele Unternehmen auf einem heiß umkämpften Markt heute nicht nur an der Präsentation ihrer Produkte feilen, sondern auch Wert darauf legen, dass ihre Mitarbeiter sich optimal präsentieren, ist für Eva Ruppert keine Überrraschung. Der Dresscode wird Teil der Corporate Identity.
"Ich habe mit Leuten zu tun, die bereits Verständnis für Auftreten und Stil mitbringen, die sich aber nicht sicher sind, ob das, was sie bisher aus dem Bauch heraus gemacht haben, auch das Richtige ist." Da es nicht immer einfach ist, sich sowohl anlassgerecht als auch typgerecht zu kleiden, will Eva Ruppert ihren Leserinnen und Lesern helfen, "den Pfad dazwischen zu finden".
Für Verwirrung sorgt häufig auch die Modeindustrie, die mit extremen Sprüngen in den Designs den Verkauf anheizen will. "Sich nur die Rosinen rauspicken" rät Eva Ruppert, und nur wirklich das kaufen, was man auch gerne trägt. Andernfalls ist ein Neukauf schnell eine Fehlinvestition. Wer seinen eigenen Stil finden möchte, der wird nicht mit einer Hauruck-Methode, sondern Schritt für Schritt dorthin gelangen. "Ich kann nur authentisch und selbstbewusst auftreten, wenn ich mich in meiner Haut wohl fühle", unterstreicht die gebürtige Ebersdorferin. Während sie rät, lieber eine Kleidergröße größer zu wählen, statt sich in zu enge Klamotten zu zwägen, verordnet die Autorin den überquellenden Kleiderschränken eine Diät.
Körper, Geist und Seele gehören zusammen. Und so vertritt Eva Ruppert in ihrem Buch durchaus eine ganzheitliche Sichtweise. Ernährungs- und Bewegungstipps, die auch im stressigen Berufsalltag für kleine Wellness-Inseln der Erholung sorgen, hält ihr Buch parat. "Es bringt nichts, sich zu stylen, wenn man völlig falsch lebt und sich falsch ernährt. Dann bricht die Fassade zusammen."
Selbst wer das richtige Outfit zusammengestellt, die optimale Länge von Hosenbeinen oder Jackenärmeln für seine spezielle Körperform herausgefunden hat und auch das verkörpert, was er trägt, ist vor den kleinen Malheuren des Alltags nicht gefeit. Ein Fleck auf dem Hemd, eine Laufmasche in der Strumpfhose oder Flecken auf den Schuhen - schon ist der gute Eindruck getrübt. Auf der sicheren Seite ist, wer ein frisches Hemd im Büroschrank oder neue Nylons in der Handtasche hat. "Der schlimmste Fehler ist unordentliche Kleidung, denn ein weghängender Faden oder ein abgeschuffelter Schuh signalisieren Nachlässigkeit", erklärt Eva Ruppert.
Es ist nicht unbedingt nötig, sich zu Schminken. Doch plädiert die ausgebildete Visagistin dafür, durch gute Pflege und leichte, getönte Tagescremes, ein wenig Wimperntusche und Lipgloss der Haut über Stresssünden hinweg zu helfen. "Das beste Makeup ist das, was man nicht als solches erkennt", betont sie. Frisches und gepflegtes Aussehen sei dabei nicht nur Frauensache. "Was spricht dagegen, wenn ein Mann zu Hause, wenn es niemand sieht, seiner Haut mit einer Gesichtsmaske auf die Sprünge hilft?"
(Neue Presse, 10.03.2003)
nach oben zum Seitenanfang Seite ausdrucken