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Vor einem persönlichen Gespräch mit Eva Ruppert darf man(n) ruhig etwas nervös sein. Schließlich ist die gebürtige Coburgerin, die heute in Ebersdorf wohnt, ausgebildete Farb- und Stilberaterin. Außerdem hat sie soeben einen „Fashionguide für moderne Männer“ geschrieben. Sprich: Sie wird ihr Gegenüber bestimmt genau beäugen und sich überlegen, inwieweit die von ihr vertretenen Mode-Richtlinien eingehalten werden. Doch zunächst berichtet Eva Ruppert von einer ganz allgemeinen Beobachtung, die sie in den vergangenen Jahren gemacht hat: „Ein Mann wird heute nicht mehr belächelt oder gar als ,Softie‘ bezeichnet, wenn er Wert auf sein Äußeres legt.“ Vor 20 Jahren, als sie erstmals Business-Seminare auch für Herren anbot, hätte die Männerwelt noch „wie Dracula auf Tageslicht“ darauf reagiert. Eva Ruppert, die auch Imagetrainerin ist, findet es gut, dass sich somit eine lange verdrängte Erkenntnis doch immer mehr durchsetzt: „Eine überzeugende Wirkung erhält man nur, wenn auf allen Kanälen gesendet wird: verbal, vokal und visuell.“ Der Hinweis mit dem „nicht mehr als Softie gelten“ hat mich beeindruckt. Andererseits: Ob Eva Ruppert meine Armbanduhr, auf deren Ziffernblatt ein kleiner Elch zu sehen ist, vielleicht doch zu verspielt und „soft“ findet in der oft ernsten Businesswelt? Ein kurzer Blick, ein sympathisches Lächeln: „Nein, nein“, sagt Eva Ruppert, „die Uhr ist absolut in Ordnung.“ Auch wenn für viele Männer die Uhr – gleich nach dem Auto – das „Statussymbol Nummer zwei“ sei: Sie dürfe auch nicht zu protzig sein und müsse vor allem zum Stil passen. Stil und Harmonie – das sind zwei Schlagwörter, die im Gespräch mit Eva Ruppert immer wieder fallen. „Mein Fashionguide basiert auf dem Wissen der guten alten Maßschneiderei“, erklärt sie. Und die Maßschneiderei wiederum beruhe auf der Harmonielehre. „Es geht darum, Stimmigkeit zu erzeugen!“ Gleichzeitig dürfe Kleidung aber auch sehr wohl Illusionen schaffen; nach dem Motto: „Jeder kann eine gute Figur abgeben!“ Als Beispiel nennt Eva Ruppert die Konstellation „Mann mit kurzen Beinen, leichtem Bauchansatz sowie hängenden Schultern“. Die kurzen Beine könne er schon einmal damit kaschieren, indem er Schuhe, Strümpfe und Hose in derselben Farbe wählt. „Das macht optisch gut und gerne zehn Zentimeter aus“, weiß die Expertin, „denn das menschliche Auge nimmt eine bestimmte Strecke immer als Ganzes wahr, so lange dazwischen kein optischer Absatz kommt.“ Fürs kleine Bäuchlein empfiehlt Eva Ruppert Hemden und Pullover in dunklen Farben. Diese würden auf Licht und Schatten nicht so stark reagieren und dem Körper somit eher schmeicheln als helle Farben. Blieben noch die hängenden Schultern, gegen die zwar kein Kraut gewachsen ist, wohl aber leichte Polsterungen erfunden worden sind. „Blousons hingegen sollten in diesem Fall nicht getragen werden.“ Grundsätzlich hält es Eva Ruppert übrigens für weniger heikel, „overdressed“, also „zu gut“ angezogen zu sein, als „underdressed“. Und auch zum „Casual Friday“, der aus den USA stammt und hierzulande von vielen größeren Firmen übernommen worden ist, hat sie eine klare Meinung: „Das funktioniert nicht!“ So nett es ja sei, seinen Mitarbeitern zu erlauben, sich am letzten Arbeitstag der Woche betont locker zu kleiden: „Der Premiumkunde, der ausgerechnet am Freitag im Büro vorbeikommt, kennt diese Regelung ja nicht.“ Eva Ruppert vertritt deshalb die Meinung: „Arbeitszeit ist Arbeitszeit.“ Und das beherzigt sie inzwischen auch für sich ganz persönlich: „Früher habe ich, wenn ich durch die Fußgängerzone gelaufen bin, manche Leute durchaus gemustert und mir so meine Gedanken gemacht – inzwischen mache ich das aber nicht mehr, ich würde ja kirre werden!“ Weil Eva Ruppert im Laufe des Gesprächs mit mir noch nicht kirre geworden zu sein scheint, werde ich zum Schluss mutiger. Auf was schauen Sie bei einem Mann eigentlich als erstes? „Auf die Schuhe und die Hände!“ Nun, bei den Schuhen konnte ich mit meinem zeitlos schwarzen Modell mühelos punkten. Meine Hände hingegen sind zurzeit etwas rau – aber zum Glück nicht mehr so feucht, wie zu Beginn des Gesprächs. Modische Todsünden
T-Shirt unter Businesshemd – Wer sich ein wenig vor Schweiß oder auch Kälte schützen will, sollte ein ärmelloses Tank-Top unter sein Businesshemd anziehen. Die Ärmelabdrücke, die sich bei einem herkömmlichen T-Shirt abzeichnen, findet nicht nur Eva Ruppert schrecklich. Schmuddel-Jeans – „Nichts ist abwertender als eine schmuddelige Jeans“, sagt Eva Ruppert. Doch leider würden viele den durchaus modischen „Used Look“ fehlinterpretieren und glauben, auch eine ältere, abgenutzte Jeans sei salonfähig. Kein Gürtel in der Hose – „Jede Hose, die Gürtelschlaufen hat, braucht auch einen Gürtel“, betont Eva Ruppert, „sonst sieht das so aus, als ob da jemand früh beim Anziehen nicht richtig fertig geworden ist.“ Barfuß zur Anzugshose – Soll cool wirken, ist laut Eva Ruppert aber ein absolutes „no go“: Barfuß in Schuhen, wenn man dazu eine Anzugshose trägt. Farbige Socken – Manche Männer glauben, damit einen Akzent setzen zu können. Doch für Eva Ruppert sind im Businessbereich nur dunkle Socken akzeptabel. Besonders schlimm findet sie rote Socken: „Da sieht aus wie ein Storch im Salat.“ Eva Rupperts „Fashionguide für moderne Männer“ wurde herausgegeben vom Bad Rodacher Versandhandel Qiero und ist auch über diesen zum Preis von 9,95 Euro zu beziehen: www.cultureshop.eu. |
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| (Von Oliver Schmidt, Redaktionsleiter Coburger Tageblatt, 10/2010) | ||
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