Elke Gersmann: Im Bikini vom Strand mal schnell auf die Promenade – geht das?
Eva Ruppert: Der Begriff „Bade-Kleidung“ sagt an und für sich ja schon aus, wofür die Kleidung gedacht ist: zum Baden und für all die Annehmlichkeiten, die auf dem Bade-Areal geboten werden. Verlässt man dieses Areal, so ist Badekleidung auf der Promenade ebenso unpassend, wie umgekehrt, der City Look beim Baden.
E. G.: Sightseeing in der Hitze – können sich nackte Oberkörper überhaupt irgendwo sehen lassen?
E. R.: Grundsätzlich glaube ich, dass sich viele Einheimische von Badeorten bereits an den Anblick nackter Männeroberkörper gewöhnt haben. Was nicht heißen soll, dass sie es für gut befinden. Aber mal abgesehen vom kulturellen Hintergrund des Gastlandes, ist der Mensch doch ein visueller Genießer. Wer erwartet es nicht, dass derjenige, der sich entblößt, doch zumindest etwas Ansehnliches zu bieten hat. Mit etwas mehr Zurückhaltung kann man dem negativen Image des rüden „Touris“ leicht entgegenwirken.
E. G.: Gleiches für die Damen: auch da wird an Kleidung gespart, wo es geht – was ist angemessen?
E. R.: Guter Geschmack ist zeitlos und sollte auch unabhängig vom jeweiligen Anlass gepflegt werden. Ich empfehle den Damen auch am Urlaubsort den selben kritischen Blick in den Spiegel zu werfen, wie zu Hause.
E. G.: Wie können Urlauber der Hitze statt dessen begegnen?
E. R.: Mein Tipp: Sommerkleidung Marke „Wüstenvolk“ einpacken. Oder haben Sie schon einmal einen Tuareg in Shorts oder Tanktop gesehen? Sicher nicht, weil man nämlich viel mehr unter der Sonne leidet, wenn man die nackte Haut der direkten Sonnenbestrahlung aussetzt. Wesentlich angenehmer und gesünder ist es, weite und luftdurchlässige Kleidung in hellen Farben zu tragen. Der Luftpuffer zwischen Kleidung und Haut ist ein guter Wärmeregulator und die hellen Farben reflektieren das Licht und somit die Hitze der Sonne.
E. G.: Noch einmal Sightseeing - oft werden Gotteshäuser besucht. Wie können Urlauber vorsorgen, damit sie trotz kurzer Hosen und Röcke in Kirchen, Tempel oder Moscheen hineingelassen werden?
E. R.: Gar nicht. Der Dress Codes für Kirchen und Moscheen lautet, dass lediglich die Haut an Gesicht, Händen und Füßen darf zu sehen sein, alles andere ist bedeckt. Das ist eine simple Frage des Respekts. Wenn ich weiß, dass heute der Besuch eines Gotteshauses auf meiner Sightseeing-Route liegt, kleide ich mich entsprechend.
E. G.: Erklärungsversuch: Warum kommen Leute überhaupt auf die Idee, im Bikini-Oberteil / mit freiem Oberkörper in die Stadt zu gehen? Das würde doch in Deutschland auch niemand tun.
E. R.: Ich denke, das hat etwas mit der vermeintlichen Freiheit durch Anonymität zu tun. „Endlich einmal tun und lassen können, was man will. Die Leute, die man im Urlaub trifft, „Touris“ wie Einheimische, trifft man später eh nie wieder, also was soll’s.“
Wobei das für mich nicht wirklich nachvollziehbar ist. Wenn ich reise, versuche ich stets, in die Kultur des Urlauslandes einzutauchen. Das schlimmste für mich wäre, auf den ersten Blick als Tourist erkannt zu werden. Denn dann wird man auch als solcher behandelt, nämlich als Fremder und nicht als Gast.
„Wie Du kommst gegangen, so wirst Du auch empfangen.“ |