Tischsitten

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Über die Tischsitten in früheren Jahrhunderten kann man oft staunen oder lachen. Persönliche Relevanz bekommt das Thema, wenn man seine eigenen Manieren „aufpolieren“ will. Imageberaterin Eva Ruppert hilft dabei.

Frau Ruppert, wir sind privat zum Essen eingeladen, die Gastgeberin schließt in der Küche die letzten Vorbereitungen ab. Darf man sich schon an den Tisch setzen?
Normalerweise setzt man sich erst nach der Aufforderung des Gastgebers. Bis alle Gäste da sind, gibt es eine Art Stehempfang. Damit kann man vermeiden, dass neu Hinzukommende eine bereits sitzende Runde stören. Die Initiative sich zu setzen, geht immer vom Gastgeber aus.

Wie zeitgemäß sind Trinksprüche?
Wenn es einen besondern Anlass zum Feiern gibt, sei es einen Geburtstag oder ein Jubiläum, dann sollte ein Trinkspruch ausgegeben werden. Der Gastgeber eröffnet damit die Tafel. Je formeller und größer die Runde, desto eher sollte er dazu aufstehen. Mit dem Weinglas in der rechten Hand werden die Gäste begrüßt und ein paar Worte gesprochen und dabei mit möglichst allen nach und nach Blickkontakt gesucht. Der Toast endet mit einem positiven Blick in die Zukunft. Dann lüpft man die Gläser und trinkt. Richtig angestoßen, mit klirrenden Gläsern, wird nicht.

Was mache ich mit dem Brot am Tisch? Darf ich es vor der Suppe essen, kleine Stückchen davon hinein werfen, oder am Ende Soßenreste damit aufsaugen?

Das Brot kann während des ganzen Menüs am Tisch bleiben. Im privaten Bereich kann man durchaus Stücke abzupfen und in die Suppe werfen; im Geschäftsbereich würde ich es nicht tun. Natürlich können die Gäste das Brot auch vorneweg essen – allerdings nicht wie ein Butterbrot am Frühstückstisch, sondern indem man kleine Stücke abreißt. Das ist das Symbol des Brotbrechens aus der Bibel. Wenn man damit die letzte Soße aufnehmen will, muss man das Brot anschließend mit der Gabel aufspießen.

Was, wenn meinen Kindern das Menü nicht schmeckt?
Grundsätzlich kann man niemanden zum Essen zwingen, auch Kinder nicht. Oft sprechen religiöse oder gesundheitliche Gründe, beispielsweise Allergien, gegen den Verzehr einer Speise. Der Gastgeber, oder der Service im Restaurant, sollte sich um Ersatz kümmern. Als Gastgeber kann man das Problem lösen, indem man Menükarten aufstellt, dann können die Gäste schon vorab reagieren.

Gibt es Themen, die am Esstisch tabu sind?
Oja! Alles was Ekel erregt oder provoziert, ist tabu. Am Tisch will man keinen Streit, sondern gemütlich speisen. Auch Politik, Krankheiten oder persönliche Krisen werden besser woanders besprochen.

Gibt es eine besonders wichtige Regel fürs Geschäftsessen?
Beim Businessdinner wird nicht über das Geschäft gesprochen, sondern beispielsweise über kulinarische und kulturelle Themen. Man präsentiert sich in entspannter Atmosphäre nicht als Geschäftspartner, sondern als Mensch mit Stil. Auch von exotischen Speisen ist abzuraten, schließlich weiß man nie, was ein Gast aus einem anderen Kulturkreis verträgt.

Wann ist der beste Zeitpunkt, sich nach einer Einladung wieder zu verabschieden?
Hier gibt es eine Faustregel: Wenn du das Aroma des Kaffees riechst, solltest du 30 bis 60 Minuten später den Abschied ankündigen. Mit dem Kaffeetrinken schließt die Tafel. Wenn der Gastgeber dich noch länger bei sich haben möchte, wird er dich auffordern noch zu bleiben.

Das Gespräch führte Silke Spitzenpfeil.

(Interview für 02.09.2010; Neue Presse - Ausgabe Coburg)
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