"Benimm ist in" statt Fastnachtstrubel – 1
Faschingstreiben in Würzburg: Während draußen die Narren feierten, haben sich 18 Mädchen und Jungen in der Jugendherberge beim Seminar "Benimm ist in" mit den guten Tischmanieren und der richtigen Begrüßung beschäftigt. Einen ganzen Tag lang übten die jungen Leute mit der Imagetrainerin, Farb- und Stilberaterin Eva Ruppert gutes Benehmen.
Das hört sich hart an. Doch die 14 Mädchen und vier Jungen, die in einem großen Kreis im Tagungsraum sitzen, scheinen den Trubel kaum zu vermissen. Konzentriert wiederholen sie, was sie vor der gemeinsamen Mittagspause gelernt hatten. "Nicht aufdringlich sein und nicht klauen." "Pünktlich kommen." "Nicht mit vollem Mund reden." Im Sekundentakt hagelte es von allen Seiten Stichworte.
Sogar der Kursleiterin Eva Ruppert fällt bald nichts mehr ein: "Ihr seid ja super", lobt sie.
Statt einen trockenen Vortrag zu halten, zeigt Ruppert kurze Filme und lässt die Gruppe – deren Altersspanne reicht von 10 bis 14 Jahren – einfach selbst herausfinden, was man besser machen könnte. "Es ist sehr interessant mit den Filmen und dass wir alles selbst erarbeiten können", lobt Johanna (12), die mit ihrer Freundin Silja gekommen ist.
Die erklärt: "Wir fanden das lustig und dachten, das könnten wir doch mal machen." Dass zeitgleich Fasching ist, "das haben wir bei der Anmeldung gar nicht wahrgenommen. Aber bei uns zu Hause ist das auch nicht so mit dem Fasching", schiebt Johanna hinterher. Die beiden sind aus Hessen angereist.
"Benimm ist in" statt Fastnachtstrubel – 2
Schon geht es weiter. Mit den Tücken des Handys befasst sich der nächste Film: Ein Mädchen trifft sich mit einem Jungen im Café – und legt sofort demonstrativ das Handy auf den Tisch, das prompt jede Minute klingelt. Während sie munter ins Handy plappert, sitzt er stumm und zunehmend frustriert daneben.
"Sie hat sich nur mit dem Handy beschäftigt und ihren Freund links liegen lassen", empört sich ein Mädchen. Ein anderes ergänzt: "Vielleicht sollte man das Handy ausschalten, wenn man verabredet ist." Gute Idee, findet Ruppert und erklärt auch, wann es Ausnahmen gibt. "Wenn ihr eine wichtige Nachricht erwartet, dann kündigt das vorher an – es muss aber bei einer Nachricht bleiben."
Was passieren kann, wenn das Handy im falschen Moment klingelt, wissen die Jugendlichen aus der Schule: "Es wird abgenommen und die Eltern müssen es abholen", sagt ein Mädchen. Andere berichten von Verwarnungen oder Nachsitzen. Es gibt auch kreative Strafen: "Wenn das Handy im Unterricht klingelt, muss man einen Kuchen mitbringen." In der nächsten Szene lässt ein Junge seine Verabredung erst warten und bedient sich dann ungefragt aus ihrem Glas. "Immer die Jungs", mault es leise aus der Jungsecke.
Weil auch ein ansprechendes Äußeres wichtig ist, lässt sich Eva Ruppert noch erklären, was in den Augen der Jugendlichen absolute Modesünden sind. "Nicht zu dick auftragen, damit man nicht aussieht wie Madonna in ihren Videos", kommt es prompt von einem Mädchen. "Kein Ballkleid in der Eisdiele", steuert Johanna bei. Vinzenz (13) findet, man solle sich in seinen Kleidern "fröhlich fühlen".
Auf lautstarkes Bitten der Kursteilnehmer hin improvisiert Ruppert zum Abschluss noch eine Farbberatung: Statt farbigen Tüchern hält sie den Jugendlichen kurzerhand bunte Leggings und T-Shirts unters Gesicht.
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